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,,Lernt für euch, nicht für die Schule“

 

Am Dienstag, 07.02.2017 besuchte Ilse Teske, die Uroma einer Schülerin der 10a, jene Klasse und berichtete ihnen über das Aufwachsen zwischen Furcht und Tod, aus den Tagen des 2. Weltkrieges.

Ihre ersten Worte, die sie an uns richtete waren: „Lernt für euch, nicht für die Schule“ und dass wir es schätzen sollten, dieses Privileg auszuleben.

Mit bereits 8 Jahren war der Großteil ihrer Schulzeit geprägt von Übungen für den Ernstfall. Im Stundentakt wurde der Unterricht von Bombenangriffen unterbrochen und sie sowie ihre 41 Klassenkameraden mussten fliehen und das Geübte umsetzen.

Das tägliche Überleben war hart, jeden Tag hatten die Menschen Hunger und ernährten sich meistens nur notdürftig, wie z.B. von Brennnesselsuppen, welche aber sehr gehaltvoll gewesen sein soll.

Damals wurden Lebensmittelkarten verteilt. Jene gaben den Menschen, die sehr selten die Möglichkeit hatten, so an Brot, Fett oder Fleisch zu kommen, Essen zu erhalten. Sie erzählte außerdem von ihrer Freundin, welche ihre Lebensmittelkarte verlor und somit für einen Monat nichts zu essen gehabt hätte. Doch Ilse und ihre Freunde teilten sich das Essen mit ihr und sie überlebte diesen Monat dank dieser Solidarität.

Eine Dusche in Kriegszeiten zu benutzen, war etwas Besonderes und den meisten Menschen nur selten möglich. Deshalb waren Ilse und ihre Freunde meistens im Fluss baden. „Man brauchte einen starken Willen“, pflegte sie zu sagen, sonst hatte man Tag für Tag keine Chance zu überleben.

Sie war und ist bis heute noch eine sehr sportliche Frau, was ihre Aussichten auf einen nächsten Morgen steigerten und sie heute noch ziemlich aktiv am Leben teilnehmen lässt.

Sie machte uns deutlich, dass sie jede Form von Gewalt verabscheut und der Krieg schrecklich war.

Ihre Familie beherbergte in den letzten Tagen dieser unheilbringenden Zeit einen desertierten Wehrmachtssoldaten. Diesen versteckten sie in ihrem Schrank.

Eines Tages wurde ihre Familie von der Schutz-Staffel aus ihrem Haus und ihrem Ort vertrieben. Sie durften nur das Nötigste auf einen Hundewagen (heutigem „Bollerwagen“) packen. Zu dieser Zeit war sie gerade mal 10 Jahre alt.

Ihre Mutter hatte im Lazarett gearbeitet und vielen Menschen geholfen.

Nach dem schrecklichen Krieg waren Medikamente besonders wichtig. Diese bekamen Ilse und ihre Familie von einer russischen Ärztin. Sie waren gegen die todbringende Typhus- und andere Krankheiten. In diesen schweren Zeiten war es eine große Geste gerade von einer Angehörigen, welche von einem Volk abstammte, das durch den Überfall und das Wüten der deutschen Truppen im 2. Weltkrieg selbst große Opfer bringen musste.

Auch Ilse versuchte zu helfen, wo sie konnte. So zum Beispiel in dem sie mit Freunden und Familienangehörigen heimlich Äpfel an Gefangene verteilte, welche vom Biesenthaler-Bahnhof aus nach Oranienburg in das Konzentrationslager Sachsenhausen gebracht wurden.

Ilse Teske ist eine aufrichtige und gutherzige Frau, welche sehr viel in unserem Alter damals durchgemacht hat. Sie ist ein Vorbild für Solidarität und Optimismus im Leben.

Es fiel ihr nicht leicht über ihre Erlebnisse zu sprechen. Die Schüler der Klasse 10a sind sehr froh, dass wir dieses interessante als auch sehr emotionale Gespräch führen durften.

 

 Zeitzeugin Teske hp

Liam Kandulla

Klasse 10a